Dirk’s dickster Karpfen

Als Ron seinen dicksten Karpfen fing, schrieben wir den 27.04.2007 um 07:45 Uhr. Exakt ein Jahr später,wieder im April fuhren, wir erneut zum diesem See, um zu fischen. Es war der Startschuss für die Saison 2008 !!! Diesmal waren wir nur noch zu Viert. Wir wollten wieder eine Woche fischen. Auf der Fahrt dorthin, wurde schon darüber diskutiert, wer welche Stelle diesmal bekommt. Natürlich wollten alle diese Stelle haben, an der Ron seinen kapitalen Schuppi fing. Dieser Schuppi von über 53 Pfund war uns allen noch in guter Erinnerung. Denn das war auch gleichzeitig der Teichrekord. Und wir glaubten alle, dass, wenn wir ihn nochmal fangen würden, er bestimmt noch 500 gr. zugelegt hat. Aber das war fast unmöglich an so etwas zu glauben, dass er nochmal an den Haken gehen würde.

Endlich am Ziel angekommen, wurden die Stellen besetzt, wie es zuvor abgestimmt wurde. Gott sei Dank waren auch alle unsere Stellen noch frei, denn wir wollten auch nicht so weit auseinander sitzen. Ich bekam, zum Zähne knirschen meiner Freunde, den Platz den Ron voriges Jahr befischte.

Wir packten eilig unser Angelzeug aus, denn wir wollten so schnell wie möglich unsere Ruten im Wasser platzieren. Als die Ruten endlich im Wasser waren und wir reichlich gefüttert hatten ging es langsam daran ganz in Ruhe die Zelte aufzubauen und sich so einzurichten, wie man es denn gern eine Woche aushalten wollte. So musste erst alles an seinem Platz stehen, um dann endlich zur Ruhe zu kommen.

Es sind nicht mal ganz zwei Stunden vergangen, da meldete sich plötzlich und völlig unerwartet meine rechte Rute. Nur ein kurzer Piep. Ich erstarrte regelrecht, denn ich stand nur zwei Meter von meinem Pott entfernt und hielt meine heisse Kaffeeetasse in der Hand. Als ich diesen Piepton verarbeitet hatte und ich keine Ente im Wasser, keinen Vogel in der Luft, der gegen meine Schnur flog, sah und ich mir auch sicher war, dass einer meiner Freunde mir keinen Streich spielte und an der Schnur zog, wurde es mir klar  -  es war ein Biss !!! Der liebe Herrgott hatte mir den ersten Biss geschenkt. Ich war ihm soooo dankbar!!! Meine Freunde schauten ebenfalls ungläubig zu mir rüber und dann kam auch schon die erste Bemerkung mit den Worten ,”……war ja klar,wer sonst “!!!  Ich starrte auf meinen Swinger und Bissanzeiger, aber es passierte nichts mehr.

Die Lichter am Bissanzeiger und an meinem Illuminated Swinger gingen aus, als die nächste Bemerkung seitens meiner Freunde kam,”…… hehe, das war wohl nichts” !!! Und während sie so lachten und sich freuten über den Fehlalarm, piepte es wieder und mein Swinger senkte sich schnell nach unten. Ich stürzte nach vorn,  griff zur Rute und kurbelte bis ich Kontakt hatte und schlug nochmal nach. Der Fisch sass! Die Rute bog sich und der Drill begann. Ich dachte nur noch, bloss nichts falsch machen und den ersten Fisch in diesem Jahr verlieren. Und wieder kam ein Spruch,” ….das kann ja wohl nicht wahr sein”!!! Nach kurzem aber kräftigem Kampf stand mein Freund Nico schon mit dem Kescher am Ufer, um den ersten Fisch zu landen. Als der Fisch sich das erste Mal an der Oberfläche zeigte, sahen wir nur kurz etwas sehr Orangefarbenes. Nico sagte gleich: “…was ist das denn”?? Ich erwiderte ihm, keine Ahnung was das sein soll. So führte ich den Fisch langsam aber bestimmend wieder zur Oberfläche und in Richtung Kescher. Dieses gelang uns auch gleich beim ersten Mal und als wir in den Kescher sahen, trauten wir unseren Augen kaum. Es war ein prächtiger, völlig gesunder und hübscher Koi-Karpfen von genau 16 Pfund. Dieser Prachtkerl wurde noch nie in diesem See gefangen, so die Einheimischen. Es sollten wohl ein paar Kois in diesem See sein,  aber dieser war noch unbekannt.

 

Unser Angelturn begann mit einem herausragenden Fisch. Die Sprüche meiner “Mitstreiter” verstummten auch langsam und ich konnte zu Recht mit einer etwas erhobenen Nase durchs Gelände streichen. Jetzt konnte ich zu jedem Einzelnen gehen und ihn direkt fragen,” …..naaaaa, hat schon wat gebissen ??????  Nich, ooohhhhh wie kommt dat denn, haste denn auch die Rute im Wasser und haste auch wat zum naschen für den Fisch angebunden”?? Sonst wird dat nämlich nischt!!! Die Worte wie ,hau ab du A….., habe ich mit einem Grinsen wahrgenommen und es machte mir wirklich Spass meine Freunde so richtig zu ärgern!!

Nun zurück zum Eigentlichen.

Im Laufe der nächsten Tage gingen uns wirklich tolle Fische bis 35 Pfund ins Netz. Wir fingen wirklich alle, wobei sich schon nach zwei Tagen herausstellte, dass mein Platz der Fängigste war. Wahrscheinlich war das der sogenannte “Karpfenweg” an diesem See. Ron, der davor das Jahr dort sass, fing mit Abstand die meissten Fische. Nun war ich derjenige, der die meissten Fische hatte. Teilweise fischte ich nur noch mit einer Rute in der Nacht, um endlich mal schlafen zu können. So zogen die Tage ins Land und wir waren auch schon in der Stimmung einzupacken und freuten uns auf zu Hause und auf unsere Familien, als es dann endlich in der letzten Nacht passierte!!!

Am Abend zuvor, wie es ja meist immer so ist wird noch schön gegrillt (es muss ja schliesslich alles weg) und man sitzt noch schön zusammen und redet über erlebte Angelstorys und trinkt den einen oder anderen Becher Alkohol. Als wir dann gemeinsam so gegen Mitternacht zu “Bett” gingen, wurde ich bitterböse von meiner kreischenden Funkbox geweckt. Ich war gerade eingeschlafen. Als hätte der Karpfen nur noch auf diesen Moment gewartet, um mich dann unsanft zu wecken. Ich sprang, wie von der Tarantel gebissen aus dem Bett und stürzte zur Rute. Es war ein Vollrun und der Bissanzeiger verstummte erst als ich die Rute in den Händen hielt. Die Bremse die eigentlich ideall eingestellt war, musste ich fester drehen, um den Fisch etwas zu bremsen, aber er nahm unaufhörlich Schnur von der Rolle. Ich glaubte auch erst an einen grossen Waller, denn mein Freund Horst fing am Vortag einen Wels von knapp über 1 Meter auf Boilie. Ich schaute auf die Uhr, es war genau 0:45 Uhr. Ich rief nach meinen Zeltnachbarn, aber es rührte sich nichts. Als ich den Fisch endlich zum Stehen brachte, konnte ich damit beginnen wieder etwas Schnur auf meine Rolle zu bekommen. Ich rief wieder, “…..Horst…… Ron” ??? Keine Reaktion!!! Nun wurde ich lauter, weil ich merkte das das ein anderes Kaliber war als bisher und ich wollte ihn nicht verlieren, nicht bevor ich ihn gemessen und gewogen habe. Ich rief jetzt etwas energischer und noch lauter! Als ich horchte, ob eine Antwort kommt, hörte ich nur noch ein lautes Schnarchen aus dem Nachbarzelt.

Jetzt wusste ich, sie schliefen tief und fest und Nico konnte mich nicht hören, denn er “wohnte” zu weit weg. Ich war auf mich alleine gestellt und ich wusste nicht was mich erwartet. Den Fisch endlich bis auf ein paar Meter ans Ufer gedrillt, legte ich mir meinen Kescher zurecht. Ich legte ihn auf die Wasseroberfläche und versuchte den Fisch irgendwie an die Oberfläche zu bewegen. Aber es gelang mir nicht, er war schon vor meinen Füssen. Aber genau vor mir ging es gleich auf über 1 Meter runter. Er war wohl noch nicht soweit, um sich sehen zu lassen. Ich dachte nur noch, hoffentlich schlitzt er mir nicht noch aus und verschwindet wieder in seinem Element. Dann endlich war er müde und kaputt und es zeigte sich ein kräftiger Strudel im Licht meiner Kopflampe. Mein Herz klopfte bis an den Hals, allein davon hätten meine Freunde wach werden müssen, aber sie grunzten unbeeindruckt weiter. Nun sah ich zum ersten Mal was für ein gewaltiger Fisch sich vor mir wälzte. Es war ein riesiger Schuppi, wie ich ihn noch nie zuvor an meiner Angel hatte. Ich versuchte souverän und erfahren zu handeln und zu reagieren. Ich manövrierte den kapitalen Karpfen in meinen Kescher und es gelang mir gleich beim ersten Mal. Ich war in diesem Augenblick der glücklichste Mensch auf Erden. Ich versorgte den Karpfen dann auf der Matte, befreite ihn von seinem Haken und legte ihn anschliessend vorsichtig, ohne auch nur eine einzige Schuppe zu verletzen in den Karpfensack, um ihn dann am Tage zu begutachten und zu wiegen. Als die Rute neu ausgelegt war, ging ich auch wieder zu Bett, aber ich brauchte lange, um das eben erlebte zu verarbeiten und dann wieder einzuschlafen. Von diesem Geschenk bekam in dieser Nacht keiner meiner Leute etwas mit. Ich dachte nur noch, “…tolle Freunde haste”!!!!

 

Am nächsten Morgen dann, als alle wach waren und wir unseren ersten Kaffee getrunken hatten, wollte ich mich über das unkolligiale Verhalten meiner Freunde beschweren. Aber sie taten völlig unschuldig und meinten, ich hätte ja mal was sagen können und freuten sich tierisch über diese Aussage. Aber die Freude war auf meiner Seite, denn ich hatte ja noch das “Geschenk”. Ich sagte zu ihnen,  dass ich sie gar nicht gebraucht habe und alles alleine gemeistert habe. Auf die Frage, was ich denn gemeistert hätte, antwortete ich nur, dass ich meinen grössten Karpfen in der letzten Nacht gefangen habe. Gleich kam die Frage,” …..na wo ist er denn, der grosse Karpfen”??? Ich sagte dann, na natürlich im Wasser, wo denn sonst. Sie dann,”…. ja klar ,kann ja Jeder sagen”, Foto oder andere Beweise. Ich grinste und sagte,”…… ok mitkommen”. Er ist im Karpfensack. Ich wollte ja in der Nacht nicht Euer friedliches Schlummern stören und deshalb habe ich gewartet bis ihr ausgeschlafen habt.

Ich ging zu der Stelle an der ich den Sack befestigt hatte und bat Ron mir beim Herausheben zu helfen. Er packte beherzt mit an und stöhnte auch über das Gewicht und meinte auch gleich zu mir das das wohl zwei Karpfen sein müssten. Nee erwiderte ich, es ist nur einer im Sack. Nico half auch gleich, indem er die Abhakematte mit Wasser benässte und wir den Fisch auf die Matte legen konnten. Beim Auspacken bewunderten alle den riesigen Schuppi und meinten auch das das der Grösste von allen gefangenen Fischen sei.

Als Horst seine Kamera scharf machte, um diesen Kapitalen zu fotografieren, sagte Ron plötzlich, “….der sieht ja so ähnlich aus wie meiner vom letzten Jahr”! Aber das könnte ja nicht sein, der sieht ja schlanker aus. Nachdem er gewogen wurde und er 48 Pfund auf die Waage brachte, gab ich ihm einen Kuss zwischen seine Augen, wünschte ihm viel Glück und übergab ihn wieder dem See.

Noch beim Frühstücken zog Horst die neuen Fotos auf seinen Laptop. Dabei verglich er die Fotos vom letzten Jahr. Tatsächlich, der Karpfen hatte die selben Merkmale und unverkennbaren Stellen am Körper wie mein gefangener Fisch. Es war wirklich unsere “Erna” vom letzten Jahr. Nach ewigem Vergleich der Fotos, stand es fest, es war unsere geliebte Erna.. Ich freute mich jetzt um so mehr, denn ich wusste das es ihr gut geht und sie noch lebte. Es blieb nur noch eine Frage offen, warum wog sie 5 Pfund weniger als im letzten Jahr????

Das Rätsel wurde schnell gelöst, als Ron sie fing, war sie noch vor dem Laichgeschäft, als ich sie fing war sie mit dem Laichen schon fertig. Bleibt nur zu hoffen, dass die Erna ihre tollen Gene an ihre ” Sprösslinge ” weiter geben konnte. Vielleicht haben wir ja nochmal das grosse Glück, diese tolle Dame wieder zu sehen………!!!!!

Der Fangtag war diesmal der 30.04.2008, Zeit 0:45 Uhr

 

 

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